Beckett: Kainsmal
In einer postapokalyptischen Welt gibt es nicht viele Wege zu, um ein halbwegs annehmbares Leben zu führen. Beckett kennt sie alle. Als Jäger und Auftragskiller arbeitet er für jeden, der in der Lage ist seine Rechnung zu zahlen. Manchmal kommt dabei doch auch etwas Gutes heraus. Wie zum Beispiel ein zu Fall gebrachter Serienkiller. Achtung: ausführliche Gewaltdarstellung/unflätige Sprache/Sex- und Drogen werden erwähnt.

Die Luft in der engen Gasse war so stickig, wie die Nacht dunkel und undurchdringlich. Trotzdem hätte Beckett eine Menge darum gegeben, etwas davon in seine Lungen zu bekommen. Doch die Hand, die sich wie eine Stahlklammer um seinen Hals geschlossen hatte, lockerte ihren Griff nicht.
„Na, wie fühlt sich das an, du blöder Wichser?“, kicherte der Besitzer der erbarmungslosen Hand mit hoher Stimme. Sein stinkender Atem wehte Beckett ins Gesicht.
Die Antwort war simpel. Beschissen. Der große Mann hing atemlos im Griff seines sehr viel kleineren Gegners und tastete blind nach dem Jagdmesser, das er immer im Gürtel trug. Jesus, wie sehr er Fiftys hasste. Ein wütendes Schnaufen ausstoßend, zog er das Messer und jagte es dem Mann in den ungeschützten Bauch. Der Fifty kreischte und torkelte zurück. Gierig sog Beckett die schale Luft ein und stieß sich von der Mauer der Ruine ab, um sich auf den blutenden und fluchenden Cyborg zu stürzen.
Ohne zu zögern, riss er den Kopf des anderen an den Haaren zurück und schmetterte ihn auf sein Knie. Etwas knirschte hässlich und der Fifty gab ein blutig-ersticktes Gurgeln von sich.
„Na, wie fühlt sich das an, du blöder Wichser?“, knurrte Beckett. Er wartete erst gar nicht auf eine Antwort, sondern drehte den Kopf seiner Beute mit einem schnellen Ruck nach rechts. Es knackte und der Fifty sackte leblos in sich zusammen. Sein Killer ließ seine Haare los und wischte sich die blutige Hand an seinem dunklen Mantel ab. Mit der Spitze seines Stiefels drehte er den toten Körper auf den Rücken, dann beugte er sich über ihn. Ohne mit der Wimper zu zucken riss er dem Mann das blutgetränkte Hemd auf. Weißes, weiches Fleisch quoll ihm entgegen. Na großartig, da durch zu kommen würde die halbe Nacht dauern.
Beckett seufzte und setzte das Messer an.
Der kleine Raum war bis unter die Decke mit allem möglichen Krempel vollgestopft, es war schwierig zu sagen, ob der Kram an die Wände gestellt war, oder die Wände an den Kram. Ein Gitter trennte einen weniger zugemüllten Teil von etwas, das einmal ein Lager gewesen sein musste. Hinter diesem Gitter saß auf dem einzig freien Fleckchen ein dürrer, hohlwangiger Mann und starrte Beckett misstrauisch an.
„Hast du es?“, wollte er mit kalter Stimme wissen. Beckett antwortete nicht, sondern stellte ein Einweckglas, in dem ein Herz in einer schlammigen Nährflüssigkeit schwamm auf das Brett, das vor einem Fenster mit schussicherem Glas angebracht war. Das Männchen hinter dem Glas, das allgemein nur als ‘der Sammler’ bekannt war, zog eine alte großkalibrige Waffe hervor, die grotesk überdimensioniert in der dürren Hand wirkte.
„Du kennst das Spiel“, murrte es und winkte ein wenig mit der Pistole.
Beckett zuckte kaum merklich mit den Schultern, trat zurück und fischte eine Zigarette aus seinem Mantel. Während er sie anzündete, schob der Sammler hastig das Fensterchen auf, zog mit einer fast schon gierig zu nennenden Geste das Glas zu sich hinein und schmetterte das Fenster wieder zu. Das Herz des Fiftys schwappte obszön pulsierend in der Nährflüssigkeit herum. Ein Scanner ersetzte die Waffe. Es piepste, als der Sammler sein Werkzeug an das Glas presste. Mit einem konzentrierten Ausdruck auf dem hageren Gesicht starrte der winzige Mann auf einen schmalen Monitor auf dem eine Registriernummer aufblinkte.
PX-34693 / BD war dort zu lesen.
Beckett stieß den Rauch durch die Nase aus und wartete, eine Hand in der Manteltasche vergraben.
Der Sammler nickte anerkennend.
„Du hast den blöden Hund also tatsächlich erwischt“, stellte er fest. Beckett sparte sich einen Kommentar. Das Herz im Glas sprach für sich. „Tja“, fuhr sein Gegenüber fort. „Da du mir wohl kaum sagen wirst, wie du das mal wieder gemacht hast, kommen wir lieber gleich zum Geschäftlichen. Hundertfünfundzwanzig, richtig?“
„Hundertfünfzig“, korrigierte Beckett ruhig. Immerhin hatte er eine Menge Arbeit mit dem Fifty gehabt. Der Blick des Sammlers verdüsterte sich ein wenig. Normalerweise hätte er jede Erhöhung des Preises kategorisch abgelehnt, aber Beckett war ein Jäger, der verdammt gute Dienste leistete und außerdem niemand, mit dem man sich anlegte. Aus langjähriger Erfahrung wusste das hagere Männchen, das einen manchmal nicht einmal Drahtkäfige und schussicheres Glas schützten.
„Na gut“, willige es schließlich ein, öffnete einen schäbigen Pappkarton und zählte ein paar abgegriffene Scheine ab, die es durch einen schmalen Schlitz am Fenster schob. „Bis zum nächsten Mal.“
Beckett warf seine Zigarette auf den Fußboden und trat sie mit dem Absatz aus, bevor er die Scheine nahm, kurz nachzählte und sie fast achtlos in seinen Mantel stopfte. Dann wandte er sich um und stieß die sperrige Tür auf, die die schwüle Nachtluft nur notdürftig aussperrte.
Er wanderte durch die belebten Straßen der zerstörten Stadt ohne groß nach links oder rechts zu sehen. Schließlich kannte er das Bild, das sich ihm bieten würde, wenn er es tat, zur Genüge. Er wusste, dass er die fliegenden Händler sehen würde, die alles mögliche feil boten. Essen das einen durchaus umbringen konnte, wenn man nicht abgehärtet genug war. Billige Kleidung unterschiedlichster Qualität. Selbstgebrannten Alkohohl der noch schädlicher war als die Nahrungsmittel, hergestellt in versifften Badewannen mit Zutaten gegen die Rattengift geradezu gesundheitsfördernd war. Eine Flasche dieses Zeugs ragte jetzt aus Becketts linker Manteltaschen heraus.
Er musste auch nicht hinsehen, um zu wissen, dass die Huren und Stricher, aufgetakelt so gut es unter den Umständen eben ging, an den Wänden der Häuserruinen lehnend auf ihre Freier warteten. Junge Gesichter, fast noch die von Kindern, verbraucht und maskiert durch Schichten von Make-up und Verbitterung. Es interessierte Beckett genauso wenig wie die Dinge, die in den dunklen von der Hauptstraße abzweigenden Gassen geschahen. Das Stöhnen das von dort erklang konnte genauso gut Lustgeschrei sein, wie das Röcheln eines Sterbenden.
Die Hände in den Taschen vergraben lief Beckett mit langen, ruhigen Schritten die spärlich beleuchtete Straße entlang, die zu seiner Wohnung in einem der wenigen halbwegs intakten Blocks lag, die die Stadt noch aufzuweisen hatte. Es war ein zehnstöckiges Appartmenthaus das vor dem GAU zu einer der besseren Gegenden Jasmins gehört hatte. Das Syndikat hatte dafür gesorgt, dass die Löcher in der Fassade notdürftig geflickt worden waren, dass die Stahlträger vor dem alles zersetzenden Rost halbwegs geschützt wurden. Vor allem aber hatte es Sorge getragen, dass die marodierenden Banden ihre Finger und Molotow-Cocktails von diesem Überbleibsel einer untergegangenen Zivilisation ließen.
Beckett betrat das Haus und durchquerte die ehemals noble Eingangshalle in Richtung des engen, muffigen Treppenhauses. Hinter seiner Panzerglasscheibe hockte Jerry, der Wächter dieses Etablissements, in seinem winzigen Kabuff und nickte ihm ein knappes Hallo zu. Jerry, ein stetiger Gruß des Syndikats, schlief so gut wie nie und hatte, wenn er es doch einmal tat, immer die Hand an der Pumpgun unter seinem Tisch, die mit Munition geladen war, die sogar einen Elefanten hätte töten können, wenn es die noch gegeben hätte.
Fünfundsechzig Stufen und Beckett hatte die Tür erreicht, hinter der sein Einraumappartment lag.
Es war spärlich eingerichtet. Ein Tisch, zwei Stühle, eine winzige Kochnische, die gleichzeitig als Waschgelegenheit diente, ein Bett, auf dem ein Laken über eine dünne, klumpige Matraze gezogen war während ein zweites zerknüllt am Fußende lag – mehr benötigte der große Mann nicht. Der einzige Luxus in diesem Zimmer war ein Plattenspieler, der auf dem Stuhl neben dem Bett stand.
Beckett stellte die Flasche Selbstgebrannten auf dem Tisch ab, zog seinen Mantel aus, den er achtlos auf das Bett warf und schaltete dann den Plattenspieler ein. Chat Bakers samtig weiche Stimme erfüllte, nur durch ein paar Kratzer entstellt, den Raum. Ein Scharren am Fenster erregte die Aufmerksamkeit des Jägers. Er öffnete es und ließ einen zerzausten, einäugigen Kater ein, der auf der Feuerleiter auf seine Rückkehr gewartet hatte.
„Entschuldige, Hendrix“, sagte er knapp als spräche er nicht mit einem Tier. „Hat etwas länger gedauert.“
Der Kater ignorierte ihn geflissentlich und machte es sich statt dessen auf dem Bett bequem. Beckett, der diesen Teil ihrer Beziehung durchaus zu schätzen wusste, ließ Hendrix seinerseits in Ruhe und knöpfte sein blutbesudeltes Hemd auf. Das Wasser aus dem Hahn war heute lauwarm, was nicht etwa auf die Existenz eines funktionierenden Boilers hinwies sondern einzig und allein dem extrem heißen Wetter zu verdanken war, das heute den ganzen Tag über geherrscht hatte. Der Supergau hatte den Menschen das Leben wirklich abwechslungsreich gestaltet.
Wenn man die Gangs, die Seuchen, den Hunger und die Hoffnungslosigkeit überlebte, konnte einen immer noch das Wetter umbringen. War es heute noch brütend warm, wurde man morgen vielleicht schon von einem Schneesturm geweckt. Beckett war das alles herzlich gleichgültig. Er hatte sich schon vor langer Zeit mit den Umständen arrangiert. Die Erinnerungen an das Leben vor dem GAU waren schwach und praktisch kaum noch vorhanden, es gab nichts, dem er nachtrauerte.
Nachdem er sich das Blut des Fiftys gründlich vom Körper gewaschen hatte, warf der Jäger sein Hemd in das Wasser und ließ es einweichen. Er hatte nur zwei und es wäre eine Schande gewesen, wenn er sich von einem hätte trennen müssen. Qualität wie diese wurde heute kaum noch hergestellt. Dann besah er sich den Schnitt an seinem linken Unterarm. Bevor der Kerl in der Gasse ihn beinahe erwürgt hatte, war es ihm mit einer dieser beschissenen biomechanischen Extensionen fast gelungen, Becketts Schlagader zu erwischen.
Drecksack.
Der Jäger setzte sich an seinen Tisch und öffnete die Alkohol-Flasche mit den Zähnen. Beinahe gleichzeitig zog er eine schmale Schublade auf und nahm Nähzeug, einen Lederriemen und Verbandszeug heraus. Den Lederriemen steckte er sich zwischen die Zähne, bevor er dazu ansetzte den Alkohol über den Schnitt zu schütten. Er tat es ohne Bedauern. Zum Trinken taugte das Zeug eh nicht. Das heftige Brennen welches ihm zeigte, dass der Fusel die beabsichtigte antiseptische Wirkung hatte, trieb ihm den Schweiß auf die Stirn. Die Zähne fester zusammen beißend griff er nach der Nadel an der ein langer schwarzer Faden hing. Eines stand fest. Das hier würde verdammt weh tun.
2.
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„Und was soll ich jetzt dagegen tun?“
„Wie wäre es, wenn Sie damit anfingen, diesen Irren zu fangen, Wexler? Wir bezahlen sie nicht dafür, dass sie sich den Daumen in den Hintern stecken und herumsitzen. Sie sind unser verdammter Oberflächen-Sicherheitsberater.“
Jackson Wexler musterte den käsig bleichen Mann, der ihm von einem flimmernden Bildschirm bemüht finster entgegen starrte und musste sich ein verächtliches Schnaufen verkneifen.
‘Oberflächen-Sicherheitsberater’, was für eine dämliche Scheiße, ging es ihm durch den Kopf. Als ob das hier oben irgend jemanden beeindruckt hätte, wenn man es nicht über das Visier einer möglichst großen Waffe hinweg sagte. Das Syndikat bestand doch wirklich aus einem Haufen Arschgeigen. Hockten da unten in ihrem Luxusbunker und dachten, sie hätten eine Ahnung von irgendwas.
„Glauben Sie, dass ich das nicht schon versucht habe?“, sagte er schließlich gedehnt. „Ich hab’ dreißig Leute auf diesen Schizzo angesetzt und trotzdem finden wir jede Woche wieder tote Nutten oder Gangmitglieder.“ Nicht, dass es ihn sonderlich interessiert hätte, aber alles was das Syndikat nervös machte, wurde besser beseitigt, wenn man seinen Posten und die Vorteile mochte, die er mit sich brachte. Vorteile wie Strom, Wasser, ein Dach über dem Kopf und etwas Geld.
„Dann setzen sie eben mehr Leute darauf an“, keifte der Syndikatssprecher wütend. Wäre der Monitor auf den Jackson gerade sah nicht schwarz-weiß gewesen, hätte er jetzt sehen können, wie sich die bleichen Wangen des Mannes rot verfärbten. Interessant, er hatte nicht geglaubt, dass diese Typen tatsächlich Blut in den Adern hatten. „Wir können es uns nicht leisten, dass die Gangs wieder revoltieren. Sie wissen so gut wie ich, was für einen Schaden der letzte Aufstand angerichtet hat. Syndikatseigentum im Wert von Millionen wurde vernichtet. Wir konnten die Versorgung von New Jasmin kaum aufrecht erhalten!“
Ich fang gleich an zu weinen, dachte Wexler sarkastisch und goß sich einen Schluck Whiskey ein. Es war beinahe echter Whiskey. Zumindest so echt, wie man ihn in Jasmin bekommen konnte, wenn man der Chef des Polizeiarms des Syndikats war. Der Gedanke daran, dass die Auserwählten unter der Oberfläche fast ohne Strom und Wasser dagesessen hätten, weil ein paar Randalierer die Solarkollektoren im ehemaligen Zentrum angegriffen hatten, brachte ihn nun wirklich nicht um den Schlaf. Es konnte nicht schaden, wenn die gehätschelten Lieblinge des Syndikats mal eine Dosis des echten Lebens abbekamen.
„Was glauben Sie, was passsiert, wenn ich die Patrouillen aus den Vierteln abziehe, um sie auf diesen Irren anzusetzen?“, fragte er gelangweilt. „Denken Sie wirklich, dass die Gangs die Füße still halten, während wir Hasch-mich mit Mr. ‘die kleinen Stimmen sprechen zu mir’, spielen?“
Der Verbindungsmann starrte ihn einen Moment lang ausdruckslos an und kaute an seiner Unterlippe. Offensichtlicher hätte er kaum machen können, dass ihm Wexlers respektloses Verhalten nicht gefiel. Aber er war keiner der Bosse und hatte hier nichts zu sagen. Wexler auf der anderen Seite saß seit fünfzehn Jahren auf diesem Stuhl und hatte geschafft, was keiner vor ihm geschafft hatte, Jasmin relativ ruhig zu halten.
„Na schön“, lenkte er schließlich widerwillig ein. „Was schlagen Sie vor?“
Wexler grinste schmal und leerte sein Glas in einem Zug.
„Kommt drauf an, was ihr bereit seid, springen zu lassen.“
Beckett betrachtete das Foto an der Wand des Büros. Ein junger Mann in einer sauberen, blauen Polizeiuniform strahlte davon herunter. Stolz hielt er seine Marke in die Kamera, im Hintergrund war die Skyline Jasmins vor ihrer Zerstörung zu sehen. Wenn man Jackson Wexler jetzt betrachtete, achtunddreißig Jahre älter und mindestens hundertsechsundvierzig zynischer, konnte man kaum noch eine Spur von dem jungen Cop erkennen der mal stolz und unbestechlich das Recht in den Straßen einer lebendigen und zumindest halbwegs gesunden Stadt durchgesetzt hatte.
Schlaff, wie eine verhungerte Qualle hing der Sicherheitschef des Syndikats jetzt in seinem zerfledderten Sessel, in der einen Hand ein Glas mit Alkohol in der anderen eine dicke Akte. Wenn man Jackson nicht kannte, konnte man schnell einen falschen Eindruck von ihm gewinnen. Mehr als einer hatte den Fehler gemacht, den Mann zu unterschätzen. Und keiner hatte die Zeit dazu gehabt, das zu bereuen.
Beckett war diese Fehleinschätzung nie unterlaufen. Einer der Gründe aus denen er sich verhältnismäßig gut mit Wexler verstand.
„Fünfunddreißig“, sagte dieser gerade und ließ die Akte auf seinen überfüllten Schreibtisch fallen. Eine Staubwolke wirbelte auf. Ihre winzigen Partikel tanzten im Dämmerlicht das durch die Spalten der halb geschlossenen Jalousie hereinfiel. „Und das sind nur die, die wir auch gefunden haben. Jedes Mal dasselbe. Er greift sie sich, oft sogar wenn sie zu zweit sind. Dann sticht er ihnen die Augen aus, schlitzt ihnen die Kehle auf und brennt ihnen dieses merkwürdige Mal auf die Stirn. Nicht unbedingt in dieser Reihenfolge.“
Einen Blick auf das schlechte Foto eines kreisrunden Abdrucks werfend, in dessen Mitte sich ein Kreuz befand, fragte Beckett:
„Die Opfer?“
Wexler zuckte mit den Schultern.
„Nutten, Stricher, Junkies, Zuhälter, Mörder, Räuber, Vergewaltiger – praktisch fünfundneunzig Prozent der Einwohner passen in sein Beuteschema.“
„Irgendwelche äußeren Umstände, die er braucht?“
„Du meinst wie Mondphasen, Tierkreiszeichen oder den Menstruationszyklus seiner Mama? Nein, nicht dass wir wüssten. Das kranke Stück Scheiße ist flexibel.“
Beckett musterte Wexler.
„Wieviel?“, wollte er wissen. Der Sicherheitschef wusste genau von was der Jäger sprach. Es war nicht das erste Mal, dass er Geschäfte mit ihm machte.
„Dreitausend“, erwiderte er mit einem Grinsen. Sein Gegenüber zog eine Augenbraue in die Höhe.
„Das ist eine Menge“, sagte er lakonisch.
„Denen geht der Arsch auf Grundeis“, erklärte Wexler und grinste weiter ungeniert. „Sie haben Angst, dass diese Nummer den Zorn der Gangs neu entfachen könnte.“
„Konkurrenz?“, fragte Beckett. In seinem Beruf waren manchmal weniger die Zielpersonen als die anderen Jäger ein Problem. Und bei dreitausend würden eine Menge Leute ihr Glück versuchen.
„Du hast zwei Wochen“, meinte Wexler knapp. „Ich will nicht, dass die halbe Stadt hier mit den Köpfen ihrer Nachbarn ankommt und behauptet, dass das der Killer wäre, also bleibt die Sache erst mal unter uns. Aber danach … gebe ich den Seuchenvogel für alle in der Zunft zum Abschuss frei, klar?“
„Klar“, antwortete der Jäger.
„Beckett nicht! Nein! Sag mal … du kannst doch nicht einfach …“
Konnte Beckett doch. Er schubste den Jungen beiseite, der ihm den Eintritt verwehren wollte und stiefelte ungeniert in das winzige Zimmer das der Knabe bewohnte. Auf der breiten Matraze am Boden lag ein nackter sehr viel älterer Mann der bei dem geräuschvollem Eintritt des Jägers überrascht aufsprang, hastig seine im Raum verstreuten Klamotten zusammenraffte und zusah, dass er Land gewann.
Der Junge rief ihm etwas hinterher und funkelte dann seinen ungebetenen Gast wütend an.
„Hat dir schon mal jemand gesagt, dass du Gift fürs Geschäft bist?“, fragte er und zog einen flatterigen Morgenrock über seiner schmalen Brust zusammen.
„Ich hab doch gesagt, dass du das Anschaffen im Moment sein lassen sollst“, erwiderte Beckett ungerührt und warf sich in einen breiten dunkelgrünen Plüschsessel der vor etwas stand, das in früheren Zeiten mal ein Kamin gewesen, jetzt aber mit Brettern vernagelt war auf denen diverse Poster längst toter Rock- und Filmstars klebten.
„Du kannst mir viel erzählen, wenn der Tag lang ist“, murrte der Knabe, sein Name war Ryan, aufsässig. „Das heißt noch lange nicht, dass ich auf dich hören muss.“
Beckett musterte den hübschen, schwarzhaarigen Jungen gleichgültig und zuckte mit den Schultern.
„Wenn du meinst.“ Er zog ein paar Scheine aus seiner Manteltasche und warf sie auf den kleinen wackligen Tisch, der neben dem Sessel stand. „Dein Anteil.“
Ryan runzelte die Stirn und strich das Geld ein ohne nachzuzählen. Seit sie sich vor drei Jahren während eines von Becketts Aufträgen kennen gelernt hatten, hatte der Jäger ihn noch nie beschissen. Genau genommen verdankte er dem großen schweigsamen Mann sogar eine ganze Menge. Die meisten der anderen Vierzehnjährigen mit denen er damals an den Häuserecken- und wänden auf Freier gewartet hatte, waren heute tot und schon lange verottet. Beckett aber hatte Ryans besonderes Talent erkannt, ihn vom Crack und der Straße weggebracht und sogar dafür gesorgt, dass das Syndikat ihm diese Wohnung überließ. Nun gab sich der Junge nicht der Illusion hin, dass der Jäger das alles getan hätte, weil er so ein Menschenfreund war. Nein, wenn nicht seine Begabung gewesen wäre, das wusste Ryan, hätte der Mann ihn wie alle anderen auf der Straße verrecken lassen.
„Du bist doch nicht nur deshalb hier“, gab er einen Schuß ins Blaue hinein ab. Becketts Nähe machte ihn aus verschiedenen Gründen stets nervös und er war froh, wenn er den Jäger wieder gehen sah.
„Nein“, gab der zurück und zog die dicke Akte unter seinem Mantel hervor. „Lies und sag mir was du davon hältst.“
Ryan betrachtete die Akte als wäre sie eine fette, geradewegs aus der Kanalisation gekrochene Ratte.
„Nicht heute“, wehrte er ab. „Ich fühl mich nicht gut.“
„Du hast dich gut genug gefühlt für einen Fick“, entgegnete Beckett mitleidlos und stand auf, um dem Jungen die Akte in die Hand zu drücken. „Lies!“
Aber Ryan machte keine Anstalten den dicken Ordner zu öffnen.
„Was ist für mich drin?“, wollte er in geschäftsmäßigem Ton wissen.
„Fünfhundert“, lautete Becketts lapidare Antwort.
In den Augen des Jungen leuchtete für einen Moment diese Mischung aus Unschuld und Gier auf, die ihn für seine Freier so anziehend machte. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, ließ er sich im Schneidersitz auf seinem Bett nieder und öffnete die Akte. Der Jäger wusste, was er sehen würde. Ein paar schlechte Fotos der Opfer und der Tatorte, den Bericht der oberflächlichen Autopsien.
„Ach du Scheiße“, würgte Ryan von Abscheu geschüttelt hervor. „Du schleppst mir den Nightside-Schlitzer an?“ Der Blick mit dem er Beckett durchbohrte machte deutlich für was für eine Zumutung er das hier hielt. „Dafür musst du aber noch mal hundert drauf packen.“
Der Jäger hielt dem Blick des Jungen Stand.
„Meinetwegen“, willigte er ein und ging dann zu dem vernagelten Fenster hinüber durch das sich warme, abgestandene Luft in das Zimmer schob, die sich mit der warmen und abgestandenen Luft vermischte, die bereits hier drin war. Durch die schmalen Ritzen zwischen den Brettern hindurch spähte Beckett auf den dreckigen Hinterhof des Hauses und wartete darauf, dass Ryan begann. Er musste nicht lange warten, denn plötzlich sagte der Junge:
„Ihre toten Augen stören mich. Sie klagen mich an, bezeugen was ich getan habe. Ich kann mich in ihnen sehen. Also müssen sie weg.“ Seine Stimme klang etwas verschwommen, fast so als befände er sich in Trance und tatsächlich war es auch so ähnlich. Ryan verfügte über die stärksten empathischen Fähigkeiten, die Beckett je untergekommen waren, was nichts anderes bedeutete, als dass er sich hervorragend in andere Leute hineinversetzen konnte. Der Junge war sogar in der Lage, die Gefühle, Sehnsüchte und Wünsche der meisten Menschen in seiner Umgebung unterschwellig wahr zu nehmen. Eine Fähigkeit, die sowohl in seiner als auch in Becketts Profession Gold wert war.
„Ich bin kein Killer“, fuhr Ryan leise seufzend fort. „Meine Art zu töten ist schnell und präzise, da ist kein Lustgewinn. Kein Missbrauch, keine Folterspielchen. Ich tue, was getan werden muss, aber trotzdem schäme ich mich. Ihre Augen sind der Spiegel ihrer Seelen. Ich weiß, dass die, die ich töte Abschaum sind, aber wenn ich in ihre Augen blicke, kann ich sehen wie leer sie nun sind. Etwas ist aus ihnen verschwunden. Etwas das gar nicht mehr hätte dasein dürfen. Das ist nicht zu ertragen, sie müssen weg. Weg!“
Der Junge wurde lauter. Es war immer wieder verblüffend, wie sehr sich sein ganzes Gebaren änderte, wenn er unter die Haut derjenigen schlüpfte, hinter denen Beckett her war. Der Jäger beobachtete, wie sein sonst eher feminines Gehabe steifer wurde. Die weiche Gestik bekam etwas abgehacktes und die sinnlichen Züge des schmalen Gesichts eine härtere, verbitterte Note. Auch seine Stimme wurde rauer. Ein paar Nuancen nur, aber genug, um Beckett klar zu machen, dass der Junge nun voll in einer anderen Rolle steckte.
Aus zu Schlitzen zusammen gepressten Augen starrte Ryan den Jäger an. Sogar die Farbe seiner Iris schien sich verdunkelt zu haben.
„Ich brenne ihnen mein Zeichen ein, um der Welt klar zu machen, was sie waren. Aussätzige, Kinder Kains. Sie sollen mich fürchten, denn nur Furcht wird sie dazu bringen von ihrem Tun abzulassen. Deshalb sorge ich dafür, dass man sie findet, dass ihre toten Körper meine Botschaft unter das Volk bringen. In jedes verderbte Haus. Auf diese Weise ist ihr Tod zu etwas Nütze.“
Beckett ging in die Knie, so dass er auf Augenhöhe mit Ryan war.
„Wie findest du deine Opfer?“, fragte er ruhig.
„Ich sehe sie“, lautete die Antwort. Die Stimme des Jungen wurde hasserfüllt. „Jeden Tag laufen sie an mir vorbei. Tauchen aus dem Schmutz auf und versinken wieder darin.“
„Und sehen sie dich?“
„Ja. Aber sie nehmen mich nicht wahr. Sie vertrauen mir, deshalb wehren sie sich auch nie, bis es zu spät für sie ist.“
„Also halten sie dich für einen von sich?“
Ryan kicherte fremdartig.
„Dann würden sie mir wohl kaum vertrauen oder? Nein, ich bin etwas Besseres. Etwas besonderes. Sie sind gern in meiner Nähe, ich strahle etwas vertrauenswürdiges aus.“
„Wie alt bist du?“
Der Junge zögerte. Schweißtropfen standen auf seiner Stirn und Beckett wusste, dass ihnen nicht mehr viel Zeit blieb. Solche Sitzungen strengten Ryan immer sehr an. Manchmal fiel es ihm schwer, den Weg zurück zu finden.
„Nicht alt. Ich bin jung. Jung und kräftig. Manche von ihnen sind letztlich doch schwer zu überwinden. Für die brauche ich Kraft.“
Der Jäger nickte.
„Kehrst du an die Tatorte zurück?“
Ein Kopfschütteln.
„Nein, ich ergötze mich nicht an meinen Taten. Ich will nicht an die Toten denken. Nur an das Ziel das ich erreichen werde, wenn ich sie alle beseitigt habe.“
Ryan keuchte laut und schlug die Augen auf. Er war blass und zitterte am ganzen Körper. Für einen Moment sah es so aus als ob der Junge sich übergeben würde.
„Verfluchte Scheiße!“, stöhnte er. „Mach nie wieder so’n Scheiß mit mir, du Arschloch! Hast du eine Ahnung wie irre dieser Sack ist?“
Beckett zuckte mit den Schultern.
„Nein, es reicht, dass du eine hast und für mich dolmetscht“, gab er gleichmütig zurück.
Ryan warf ihm einen kalten Blick zu.
„Manchmal bin ich richtig froh, dass ich nicht fühlen kann, was du fühlst“, zischte er und sprang mit leicht wackligen Beinen von der Matraze auf.
Der Jäger sah ihm dabei zu, wie er sich mit zittrigen Fingern eine Zigarette ansteckte. Auch er erhob sich und steckte die Akte wieder unter seinen Mantel.
„Wir sehen uns“, erklärte er und wandte sich zum Gehen. Er hatte, weswegen er gekommen war. „Und bleib von der Straße weg, sonst hast du vielleicht Gelegenheit den ‘irren Sack’ doch noch persönlich kennen zu lernen.“
Die hinter ihm ins Schloss fallende Tür verschluckte den blumigen Fluch, den der Junge ihm nach schickte.
3.
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„Du bist einer der seltsamsten Kerle, der mir in meinem ganzen Leben untergekommen ist, Beckett.“
Der Jäger sah auf und nahm die Apfelsaftflasche entgegen, die Abby, Besitzerin einer heruntergekommenen Kneipe namens ‘the bookshop’ ihm über die Theke reichte. Sie tat es wie immer mit einem Lächeln, das einen ahnen ließ, wie schön diese Frau gewesen sein musste, bevor ein brennender Balken sie vor zwanzig Jahren die Haut ihrer rechten Gesichtshälfte und das Augenlicht gekostet hatte.
Beckett goß sich etwas Saft in ein überraschend sauberes Glas.
„Weswegen?“, fragte er.
Abby lachte, was ihrem Gast genügt hätte, über die beinahe zwei Jahrzehnte Altersunterschied und die Verunstaltung der Frau hinweg zu sehen und sie zu fragen, ob sie mit ihm nach Hause gehen wollte. Doch Abby Walters gehörte zu den wenigen Menschen, denen Beckett so etwas wie Respekt und Wertschätzung entgegen brachte. Und diese Menschen vögelte er aus Prinzip nicht.
„Wir kennen uns jetzt schon seit zehn Jahren und ich weiß, dass du rauchst wie ein verdammter Schlot, es mit ein paar der abgewracktesten Schlampen treibst, die in Jasmin herum laufen und die Gangs ein nettes Kopfgeld auf dich ausgesetzt haben. Dein Lebenswandel ist wirklich zum Davonlaufen. Aber du trinkst diesen plürrigen Apfelsaft, als wäre es Champagner.“
„Irgendwas muss man ja für seine Gesundheit tun“, entgegnete der Jäger.
„Beckett“, lachte Abby vergnügt. „Irgend etwas zu essen oder zu trinken das nach dem GAU entstanden ist, ist deiner Gesundheit in etwa so zuträglich, wie Klippenspringen vom Sears Tower zu machen.“
Sie wandte sich um und tastete sich an der Bar entlang in Richtung eines anderen Gastes der in diesem Moment nach ihr gerufen hatte. Beckett sah ihr nach und bemerkte einmal mehr die erstaunliche Sicherheit, die sie an den Tag legte, wenn sie sich in vertrautem Gebiet befand. Das schummrige Licht der Kneipe spiegelte sich in den schwarzen Gläsern der Brille die sie trug. Dahinter befanden sich zwei ehemals grüne Augen, die von einem starken, milchigen Film überzogen waren.
Abby hatte einmal gesagt, dass diese Blindheit ein Geschenk Gottes an sie gewesen sei. Immerhin war es ihr auf diese Weise erspart geblieben, mitansehen zu müssen, was der GAU aus ihrer Stadt und den Menschen die in ihr lebten gemacht hatte. „In meinem Kopf“, hatte sie weiter gesagt, „Wird Jasmin immer so aussehen, wie sie vor dem Krieg ausgesehen hat. Eine schöne, ein bisschen nuttig gekleidete Frau in deren Adern das pure Leben pulsiert. Glaub mir, diese Blindheit ist ein wahrer Segen.“
Als die Wirtin wieder in seine Nähe kam sagte Beckett:
„Ich war heute bei Wexler.“
Abbys Lächeln wurde etwas traurig.
„Wie geht es Jackie?“
Jackson Wexler und Abbygail Walters waren vor zwanzig Jahren Partner beim Jasmin PD gewesen. Zwei Detectives, die zehn Jahre lang Seite an Seite gegen das Verbrechen gekämpft hatten. Dann war der GAU gekommen und hatte geschafft, was keinem Kriminellen und keinem störrischen Vorgesetzten gelungen war. Er hatte die beiden getrennt.
Aus Gründen, die Beckett unbekannt waren, die ihn aber auch nicht sonderlich interessierten, wusste Wexler zwar, wo Abby zu finden war und hatte auch dafür gesorgt, dass ihr und ihrem Schuppen niemand zu nahe kommen würde, ließ sich aber praktisch nie bei ihr blicken.
„Der Nightside-Schlitzer geht dem Syndikat auf die Nerven“, erwiderte der Jäger knapp. „Und damit auch Wexler.“
Abby winkte ab.
„Dieser kleine Messerschwinger ist nicht mehr als ein Ärgernis für Jackson“, erklärte sie überzeugt. „Wir waren dabei, als der Son of Sam ‘77 im Big Apple seine fünfzehn Minuten hatte und ein Jahr später haben sie uns nach Chicago geschickt, als sie Gacys Bude auseinandergenommen haben. Glaub mir, mit dem Kerlchen wird Jackson schon fertig.“
Eigentlich hatte Beckett vorgehabt, seinen Auftrag mit Abby zu diskutieren. Sie war ein guter Cop gewesen und hatte noch immer eine funktionierende Spürnase. Jetzt aber trank er seinen Saft aus, warf ein paar Münzen auf die Theke und verabschiedete sich von der Wirtin. Sie hatte bereits genug zu kämpfen, ohne dass sie wusste, dass der Ex-Partner dessen Loblied sie so loyal sang längst ein saufender Zyniker war, dem das Leben der Menschen in dieser Stadt meilenweit am Arsch vorbei ging.
Becketts erster Gedanke als er die drei Gestalten sah, die ihm den Weg versperrten, galt den Gangs die hinter ihm her waren, seit er vor sechs Jahren die meisten ihrer Anführer umgelegt hatte. Erst als er bemerkte, dass sie weder mit Flammenwerfern, noch Maschinengewehren ausgestattet waren und auch nicht die Farben trugen, die ihre Zugehörigkeit symbolisierten, erkannte er, dass er es hier mit einfachen Weggelagerern zu tun hatte. Was nicht bedeutete, dass diese Typen sehr viel weniger gefährlich gewesen wären.
Und so war es nicht weiter verwunderlich, dass er sich keine zehn Sekunden nach Sichtung des Trios in einem Kampf auf Leben und Tod befand. Keiner der drei hielt sich sonderlich viel mit Fairness auf. Sie attackierten Beckett zu dritt, die Waffen ihrer Wahl bestanden aus Eisenstangen und einer schweren Gliederkette, deren Ende zu einer Kugel geknüpft war. Aus Erfahrung wusste der Jäger, dass ein Treffer mit diesem Ding einen üblen Schädelbasisbruch bedeuten konnte.
Während der erste der stummen Gesellen ihn mit seinem improvisierten Morgenstern in die Enge drängte, überlegte Beckett seine Waffe zu ziehen. Doch Munition war höllisch teuer und er war sicher, dass er die Patronen irgendwann später schmerzlich vermissen würde. Also schnellte er nach vorne, hielt die Kette des ersten Angreifers, eines zerlumpten Kerles mit Irokesen-Schnitt im Schwung fest und wickelte sie in blitzschnell ein paar Mal um die eigene Hand, die er dem Besitzer dann gnadenlos ins Gesicht rammte.
Der Getroffene stieß einen derben Fluch aus und torkelte nach hinten, während einer seiner Kameraden, ein Kerl mit langem ungepflegten Bart Becketts Abgelenktheit nutzte und ihm von hinten mit seiner Eisenstange die Luft abdrückte. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage bekam der Jäger eine Kostprobe davon, wie es sich anfühlen musste zu ersticken.
Mit seinem gesamten Gewicht hängte er sich an die Eisenstange und trat, durch Zottelbart gehalten mit beiden Beinen dem dritten Kerl, der just dazu ansetzte, ihm ein Messer in den Bauch zu jagen, kraftvoll ins Gesicht. Das Messer fiel scheppernd aus die Straße und der bärtige Kraftprotz musste durch die Einwirkung dieser Gegenkraft ein paar Schritte zurückgehen. Zeit genug für Beckett sein eigenes Messer aus der Tasche zu ziehen und es dem Mann hinter ihm kaltblütig in den Oberschenkel zu stoßen.
Ein Gangmitglied hätte sich nicht viel daraus gemacht und sein Opfer gewürgt, bis es keine Gefahr mehr darstellen konnte. Erst dann hätte es sich um seine Verletzung gekümmert. Aber es gab einen Grund, warum keiner dieser drei Amateure bei den großen Jungs mitspielte. Kreischend ließ der bullige Kerl die Stange fallen und wich, seinen heftig blutenden Oberschenkel umklammernd an eine Häuserwand zurück.
Beckett atmete kräftig durch, sah, dass der Irokese sich wieder erholt hatte und zog nun doch seine Halbautomatik.
„Überleg dir das gut, Scheißhaufen!“, riet er dem Heranstürmenden kalt.
Tatsächlich war der Typ nicht ganz so dämlich wie er aussah und blieb wie angewurzelt stehen. Er warf einen Blick in die Runde. Seine beiden Mitstreiter lagen auf dem Boden und hielten sich jammernd diverse Körperpartien. Und ihr potentielles Opfer schien kaum außer Atem und hatte noch dazu eine Wumme auf ihn gerichtet. Er hob beide Hände in einer beschwichtigenden Geste in die Höhe und gab zu erkennen, dass er aufgab.
„Gute Idee“, nickte Beckett. „Wie heißt du?“
Der offensichtliche Anführer der Straßenräuber sah ihn verwirrt an.
„Aisling“, antwortete er wortkarg. Es klang als würde er den Namen vor die Füße des anderen Mannes spucken. Beckett grinste schmal.
„Ab heute schuldest du mir was, Aisling“, erklärte er dem verblüfften Irokesen. Sein Tonfall machte deutlich, dass das keinesfalls ein Vorschlag war. Ohne auf eine Antwort zu warten, steckte der Jäger seine Waffe wieder in den Holster und holte sich sein Jagdmesser zurück, bevor er den Heimweg fortsetzte.
Tatortfotos und Berichte lagen verstreut auf dem Tisch seiner Wohnung. Zwischen sie hatte Beckett eine alte Karte Jasmins gelegt und markierte nun mit hochgekrempelten Ärmeln die Orte an denen der Schlitzer zugeschlagen hatte. Zwischen seinen Lippen klemmte eine halb gerauchte Zigarette, von der immer wieder Aschestückchen auf das Papier rieselten. Der Jäger wischte sie achtlos beiseite und setzte eine Pinnadel an die Stelle an der das letzte Opfer gefunden worden war. Die Docks des ehemaligen Hafens, der durch die Erschütterungen, die der GAU ausgelöst hatte vollkommen mit Trümmern zugeschüttet worden war.
Andächtig lehnte Beckett sich in seinem Stuhl zurück und musterte seine Arbeit mit verschränkten Armen.
Eines war klar, der Kerl war cleverer als die meisten glaubten, denn er hatte oft in Ganggebiet ‘gearbeitet’, was hieß, dass er dem wachsamen Auge der Chiefs entkommen war. Keine leichte Nummer, denn die Anführer neigten zur Paranoia und hatten deshalb überall ihre Spitzel sitzen, die ihnen meldeten was im Territorium geschah, ob sich neue Gesichter herum trieben oder Leute begannen den Mond anzuheulen.
Dem Jäger fielen Ryans Worte wieder ein.
Der Schlitzer musste vertrauenserweckend sein. Jemand, der sich zwar in Ganggebiet aufhalten durfte, der aber nicht dazu gehörte. Ein alltäglicher Anblick in den Vierteln an den man so gewöhnt war, dass man ihn nicht mehr wahrnahm und sich vor seinen Augen so natürlich gab, dass man seine Aufmerksamkeit, seinen Hass auf sich zog.
Beckett nahm einen letzten Zug von seiner Zigarette und warf sie dann in seine leere Kaffeetasse. Es zischte leise, als die Kippe auf den feuchten Grund traf.
Abwesend begann der Jäger mit einer der Pinnandeln zu spielen. Er konnte kein Muster ausmachen, denn der Killer schlug scheinbar wahllos in den einzelnen Bezirken zu. Und wie der Empath gesagt hatte in keinem zwei Mal. Bis jetzt zumindest nicht. Das ließ nur eine Handvoll von Orten übrig an denen er noch nicht aktiv geworden war, doch es waren immer noch zu viele, als dass Beckett sie vernünftig hätte überwachen können.
Der Jäger schob seinen Stuhl zurück, drehte die Platte um und tat Hendrix der auf seinem Bett schlief etwas Fressbares in ein kleines Blechnapf. Er musste herausfinden, was es mit dem Zeichen auf sich hatte, das der Killer hinterließ und es gab leider nur einen Ort in der Stadt an dem das möglich war.
4.
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Jasmins Stadtbibliothek hatte die Zerstörungen und die anschließenden Plünderungen nur aus einem Grund so gut wie unbeschadet überstanden. Sein Name lautete Helena Goodwyn.
Gerade einmal fünfundzwanzig Jahre alt hatte Santa Helena, wie man sie im Volksmund nannte, erstaunliche Voraussicht bewiesen und kurz vor dem GAU einen Großteil des Bestandes evakuieren lassen. Einen Tag nach dem Einschlag waren die dank Helenas Führung überlebenden Bibliothekare bis an die Zähne bewaffnet gewesen und hatten das ehemalige Stadteigentum mit gnadenloser Härte gegen jeden verteidigt, der auch nur ansatzweise nach Ärger aussah. Das schloss die Angehörigen des Syndikats mit ein, die versucht hatten, die Bücher in die Hände zu bekommen, um sie unter die Oberfläche nach New Jasmin zu entführen. Man hatte Helena und ihren Leuten sogar angeboten, mit den Büchern zu gehen. Den Kopf des Unterhändlers fand man kurze Zeit später vor dem Zugang der unterirdischen Stadt. Der Legende nach steckte ein Blatt aus dem Handwörterbuch für Bibliothekare in seinem Mund.
In den folgenden Jahren hatten Helena und ihre kleine Armee elternlose Kinder und Jugendliche auf den Straßen aufgelesen, sie in dem notdürftig wieder hergerichteten Hauptgebäude untergebracht und ihnen das Lesen, Schreiben und Rechnen beigebracht. Aus Dankbarkeit und in Ermangelung echter Alternativen waren viele der jungen Leute bei ihr geblieben und hatten das stehende Heer so vergrößert. Viele von ihnen waren so fanatisch, dass nicht einmal das Syndikat es mehr wagte, Helenas anachronistische Festung des Wissens offen anzugreifen.
Doch St. Helena war niemand dem das genügte. Sie hatte einmal mehr ihr überlegenes strategisches Geschick bewiesen, als sie einige ihrer treusten jungen Anhänger in die Viertel geschickt hatte, zurück zu den Gangs in denen viele von ihnen Geschwister oder Freunde besaßen. Innerhalb kürzester Zeit war es ihr gelungen auf diese Weise in Verhandlungen mit den Chiefs fast aller Gangs zu treten und ein Abkommen zu treffen, das es ihr erlaubte, Schulen und kleinere Bibliotheken in den Vierteln zu errichten.
Wenn es jemanden gab, der die Fahne der Zivilisation in dieser Stadt noch hoch hielt, dann war es Helena Goodwyn. Man rief sie, wenn es zu Streitigkeiten zwischen den Gangs kam, um zu vermitteln. Wexler hatte, trotz des Status einer persona non grata, den sie in Syndikatskreisen inne hatte, immer wieder auf ihre Beziehungen zurück gegriffen, wenn es darum gegangen war, einen Aufstand im Keim zu ersticken. Sie war so unantastbar, dass selbst Beckett nicht auf die Idee gekommen wäre, den Auftrag, den das Syndikat für sie herausgegeben hatte, anzunehmen.
Ein Blick auf die vermummten Gestalten mit den schweren Waffen, die das Grenzgebiet des Bibliotheksgeländes bewachten, genügte um eine Ahnung von dem zu bekommen, auf was man sich einließ, wenn man versuchte das Geld, das auf Helenas Kopf ausgesetzt war einzustreichen. Beckett kannte keinen Jäger der dumm genug gewesen war es zu versuchen.
Augen musterten ihn argwöhnisch als er sich dem hohen Drahtzaun näherte. Man konnte ihnen schwer ansehen, ob sie zu Männern oder Frauen, Alten oder Jungen gehörten. Der Rest der dazugehörigen Körper war unter dicken Lagen schweren, dunklen Stoffes und schussicheren Westen verborgen, die früher einmal den Mitgliedern des Police Departments gehört hatten.
Der Jäger spreizte seine Arme vom Körper, um zu verdeutlichen, dass er nicht in feindlicher Absicht kam. Dann zog er langsam eine kleine Karte aus dem Innern seines Mantels und hielt sie so gegen das Gitter, dass einer der Wächter sie kontrollieren konnte.
Nicht viele Leute besaßen einen Leseausweis, der sie dazu berechtigte, das Hauptgelände zu betreten. Becketts Exemplar war Teil des Lohns eines Auftrages, den er vor ein paar Jahren für St. Helena ausgeführt hatte. Er war schon immer jemand gewesen, der wusste, welche Dinge sich in Zukunft als nützlich erweisen konnten. Und der Leseausweis war seine Mühen Wert gewesen.
Nach ein paar Augenblicken öffneten die Wachen das Tor. Beckett legte seine Waffen widerspruchslos in eine dafür vorgesehene Kiste. Eine der Regeln hier besagte, dass keine Waffen in die Heiligen Hallen mitgebracht werden durften. Dann geleitete ihn einer der Wächter bis zum Eingang des großen, ehrwürdigen Steingebäudes. Hier wartete bereits ein anderer Wächter auf ihn, der etwas leichter gepanzert, als junger Mann zu erkennen war. Er begutachtete Becketts Ausweis erneut und musterte dann den Besitzer von Kopf bis Fuß. An seinem ernsten Gesichtsausdruck war zu erkennen, dass er den Jäger lieber nicht eingelassen hätte.
Das Innere der Bibliothek war erstaunlich nüchtern gehalten. Lampen spendeten ein warmes, gedämpftes Licht dessen Existenz ein Rätsel war, weigerte sich das Syndikat doch St. Helena mit Strom zu versorgen. Betrat man die Eingangshalle, die in besseren Zeiten mit Marmor gefließt gewesen war, konnte man sich entscheiden, ob man als erstes den Katalograum aufsuchen wollte, der nach rechts abging oder gleich den großen Lesesaal. Die Freitreppe, die einst in die Lesesäle in den oberen Stockwerken geführt hatte, war für Besucher gesperrt. Dort befanden sich nun die Schlaf-, Essens- und Schulräume der jungen Leute die Zuflucht in den Mauern des Hauses gefunden hatten.
Beckett entschied sich für den Lesesaal.
Es erstaunte ihn ein wenig als er die Frau, die hinter einem hölzernen Tresen saß und in einem Buch las, als St. Helena höchst persönlich identifizierte. Sie sah auf als er in Begleitung des Wächters den Lesesaal betrat. Ein Lächeln erschien auf ihrem, auf unspektakuläre Weise, attraktiven Gesicht. Das Buch zusammen klappend, erhob sie sich.
„Mr. Beckett“, sagte sie ruhig. „Was führt Sie zu uns?“
Wenn man sie sah wie sie dort stand, gelassen lächelnd, in ihrer weißen Bluse und dem kienlangen, faltenlosen Rock, wäre man niemals auf die Idee gekommen, dass diese Frau in ihrer Jugend einer der gnadenlosesten Killer in ganz Jasmin gewesen war. Beckett wusste es und er wusste auch, dass Helena nicht im mindesten altersmilde geworden war. Deshalb achtete er darauf, ihr niemals zu sehr ans Knie zu pinkeln.
„Das hier“, erwiderte er und zog das beste Foto, das in der Akte zu finden gewesen war, unter dem wachsamen Blick des Wächters aus seinem Mantel, um es auf den Tresen zu werfen. Schlitternd kam die Nahaufnahme des Zeichens das der Schlitzer hinterließ, vor ihr zum Liegen. Helena sah nur kurz darauf und sagte dann in Richtung des Wächters:
„Danke, Aaron, du kannst jetzt gehen.“
Der Wächter zog die Stirn in Falten.
„Aber …“, hob er zu einem Protest an.
Helena hob nur kurz die Hand.
„Bitte, Aaron. Mr. Beckett ist ein Freund. Wir müssen uns privat unterhalten.“
Sie schenkte dem jungen Mann ein warmes Lächeln. Er seufzte leise, auf diese Art deutlich machend, dass er ihre Entscheidung missbilligte, verließ dann aber den Lesesaal. Helena sah ihm hinterher.
„Mein Sohn“, erklärte sie mit dem Anflug von Stolz in der Stimme. „Er ist ein bisschen überfürsorglich. Doch ich glaube, dass er das hier nicht hören muss.“
Beckett nahm ihre Erläuterung beinahe ausdruckslos hin, auch wenn es ihn erstaunte, dass es tatsächlich einen Mann gab, der tapfer genug gewesen war, St. Helena zu schwängern. Diese hatte anscheinend nicht mit einer Antwort seinerseits gerechnet, denn sie betrachtete nun das Foto genauer.
„Hm“, machte sie nachdenklich. „Man hat Sie auf den Nightside-Schlitzer angesetzt?“
Der Jäger verkniff sich die Frage, woher die Bibliothekarin wusste, dass dies das Zeichen des Killers war. Sie wusste praktisch über alles Bescheid, was in ihrer Stadt geschah. Wie eine Spinne in ihrem Netz saß sie mitten im Zentrum und ließ die Informationen über ihre Fäden zu sich laufen.
„Ja“, erwiderte Beckett. „Könnte etwas biblisches sein. Eine Anspielung auf das Zeichen Kains. Alle seine Opfer kann man im landläufigen Sinne als Gefallene betrachten.“
Die Bibliothekarin nickte.
„Wenn Sie warten, bringe ich Ihnen Andersons Standardwerk der christlichen Symbolik aus unserem Magazin.“
Sie öffnete eine Klappe und verließ den Arbeitsbereich hinter dem Tresen, um an Beckett vorbei zu laufen. Ihre Bewegungen hatten etwas Geschmeidiges, etwas Raubtierhaftes, das sie nicht verbergen konnte, obwohl sie sich offensichtlich bemühte. Einmal ein Killer, immer ein Killer.
Beckett machte es sich auf einem der Holzstühle an dem langen Arbeitstisch bequem, der in der Mitte des Lesesaales aufgebaut war und wartete auf die Rückkehr Helenas. Die Atmosphäre in dem Raum wirkte befremdlich auf ihn legte sie doch Zeugnis von einer Welt ab, die längst untergegangen und ihm fast gänzlich fremd war. Für den Jäger waren Helenas Versuche ein Mindestmaß an Zivilisation aufrecht zu erhalten, nichts anderes als das verzweifelte Festklammern eines Schiffbrüchigen an der letzten Planke des gesunkenen Schiffes.
Nach einer knappen Viertelstunde wurde er des Herumsitzens überdrüssig und begann zwischen den Regalen herum zu wandern.
Sein Blick fiel auf die hintere Wand des Saales, an der unter einer Inschrift die da lautete: Sammeln, Erschließen, Bereitstellen, Verteidigen – eine große Karte der Stadt hing. Interessiert trat Beckett näher, um sie zu studieren. Jemand hatte mit farbigem Stift verschiedene Orte innerhalb der Viertel markiert. Das Gesamtbild, dass diese Markierungen boten, ähnelte so stark dem das er auf der Karte in seiner Küche geschaffen hatte, dass der Jäger seine Umgebung für einen Moment außer Acht ließ. Genügend Zeit für Helena, um sich ihm lautlos von hinten zu nähern.
„Beeindruckend, nicht wahr?“, fragte sie.
Beckett sah sich nicht zu ihr um.
„Was ist das?“, wollte er wissen.
Leiser Stolz schwang in ihrer Stimme mit als die Bibliothekarin erwiderte:
„Jede Markierung auf dieser Karte steht für eine unserer Schulen und Bibliotheken in den Vierteln. Nun, wollen Sie einen Blick in den Anderson werfen?“
Beckett wusste, dass er ein Problem hatte. Noch während ihm Helena erklärte, was die Markierungen bedeuten sollten, war ihm klar geworden, wen er eigentlich suchte.
Es gab nur eine Sorte von Menschen, die sich praktisch ungehindert durch die Stadt bewegen durfte, die über das nötige Hintergrundwissen verfügte, um biblische Anspielungen zu machen, der die Leute nahezu grenzenlos vertrauten. St. Helenas tapfere Soldaten. Und genau da lag das Problem, denn wenn er auch nur einem dieser kleinen Scheißer ein Haar krümmte, war er totes Fleisch.
Während er vorgab in dem alten Buch das ihm die Bibliothekarin überreicht hatte nach dem Zeichen zu suchen, hatte er die Wahrscheinlichkeit abgeschätzt, mit der Helena wusste, was gespielt wurde. Er war zu keinem eindeutigen Ergebnis gekommen, denn wenn Frauen im Allgemeinen rätselhaft waren, so war diese besondere Frau eine Sphinx unter ihnen.
Tatsächlich war er in dem Buch fündig geworden, hatte aber nichts wirklich Weltbewegendes erfahren und war, nachdem Helena ihm erklärt hatte, dass dieses Buch seit langem von niemandem mehr angesehen worden war, gegangen. Sich der Blicke der Wächter in seinem Rücken wohl bewusst, verließ der Jäger das Bibliotheksgelände. Jeder von denen die ihn mit misstrauischen Blicken musterten, konnte der Killer sein, nach dem er suchte.
Auf dem Weg nach Hause dachte er darüber nach, was er nun unternehmen sollte. Er war nicht so wahnsinnig, einen von Helenas Leuten aus blauem Dunst heraus umzulegen. Nicht ohne handfeste Beweise, dass er den richtigen Mann erwischt hatte. Doch irgendwie glaubte er nicht, dass die Bibliothekarin ihm die Möglichkeit bieten würde, an diese Beweise heran zu kommen. Wenn bekannt wurde, dass einer ihrer Leute sich durch die Bevölkerung der Viertel schlitzte, würde das einen enormen Rückschlag für all ihre Pläne bedeuten.
Auf der anderen Seite wollte der Jäger sich die Belohnung nicht durch die Lappen gehen lassen. Was nichts anderes hieß, als dass er zusehen musste, herauszufinden, wer von Helenas Leuten sich zu den fraglichen Zeiten in den Zweigniederlassungen und Schulen in den Vierteln herumgetrieben hatte und das möglichst unauffällig. Ein Unterfangen das sich etwas schwierig gestaltete, wenn jeder Gang-Chief ein Poster von ihm über dem Bett zu hängen hatte. Nachtragendes Pack!
Dass sich seine Probleme noch vergrößert hatten, wurde Beckett klar, als er an seinem Haus ankam und Billy, Wexlers Botenjungen, auf den Stufen sitzen sah.
5.
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Sufford Hills war schon in Prä-GAU Zeiten die Latrine der Stadt gewesen. Hier hatten nur der Abschaum der Menschheit und Kakerlaken gelebt. Und genau wie die Kakerlaken hatte auch der Abschaum den GAU ziemlich unbeschadet überstanden.
Beckett betrachtete die Straßen seines alten Viertels mit einer Gleichgültigkeit, die nicht eine Spur von Nostalgie enthielt. Abby hatte ihm einmal gesagt, dass es ihr ein Rätsel sei, wie er sich den Post-GAU Verhältnissen so problemlos hatte anpassen können. Die Erklärung war simpel. Sufford Hills war ein ziemlich gutes Training für das Worst Case Scenario gewesen. Der Jäger erinnerte sich nicht mehr an vieles aus dieser Zeit und das bisschen, was ihm hin und wieder in den Sinn kam, machte ihm klar, dass er damit recht gut bedient war. In Sufford Hills war vor dem GAU identisch mit nach dem GAU.
Selbst der Rikscha-Fahrer, der Beckett zu dem Ort brachte, an dem Wexler und seine Männer ihn erwarteten, beeilte sich noch mehr als sonst, denn dieses Viertel war heißes Territorium. Und für den Jäger war es sogar noch einen Tick heißer als für den Knaben auf dem Fahrrad. Er hielt seine Waffe während der gesamten Fahrt fest in der Hand und beobachtete die vorüberziehende Umgebung mit wachen Augen.
Seine Anspannung ließ erst ein wenig nach, als sie ihren Bestimmungsort erreichten. Schon aus weiter Ferne war Wexlers schwer bewaffneter Trupp zu erkennen. Ein paar gepanzerte Fahrzeuge sperrten eine Nebenstraße ab, vor der sich bereits einige Schaulustige versammelt hatten. Beckett stieg aus und sah, wie ein kleiner Junge, der ihn bemerkt hatte, sofort davon flitzte. Das hieß wohl, dass er bald Besuch bekommen würde.
Ohne auf das wütende Gemurmel und die Beschimpfungen zu achten, die er erntete als er die Gaffer zur Seite stieß, bahnte der Jäger sich einen Weg zum Tatort.
Wexler begrüßte ihn mit einem Nicken und winkte ihn gleich zu der Leiche heran, die unter einem weißen Tuch verborgen auf der Straße lag, direkt unter den Überresten einer rostigen Feuerleiter.
„Die haben wir vor einer Stunde gefunden“, erklärte der Sicherheitschef lakonisch und hob das Laken. Beckett warf einen Blick auf die Leiche der Frau und war nicht wirklich überrascht, ein bekanntes, wenn auch verbrauchtes Gesicht zu erkennen. In Sufford Hills waren alle Bewohner eine große, abgewrackte Familie, die alles tat, um sich das Leben gegenseitig zur Hölle zu machen.
„Candy Mills“, sagte er und zuckte mit den Schultern. „War auf Crack, seit sie acht war. Grenzt an ein Wunder, dass sie es bis heute geschafft hat.“
Er kniete nieder und betrachtete die leeren Augenhöhlen der Toten und das Mal auf ihrer Stirn. Der Schnitt, der ihr die Kehle durchtrennt hatte, war mit voller Kraft geführt und so tief gegangen, dass er ihr die Stimmbänder durchtrennt hatte. Helenas Soldat hatte ganze Arbeit geleistet. Das Laken wieder über Candys Gesicht ziehend, erhob der Jäger sich und warf einen Blick in die Gegend.
Vermutlich hatte Candy auf einen Freier gewartet, um anschließend mit ihrem Mörder für eine vermeintliche schnelle Nummer in die Gasse zu verschwinden. Dort hatte der Irre sie dann aufgeschlitzt, ihr die Augen ausgestochen und ihr sein Mal auf ihre Stirn gebrannt, bevor er im Schutz der anbrechenden Dunkelheit und des allgemeinen Desinteresses über die Feuerleiter verschwunden war. Diese Geschichte erzählten zumindest die Blutspuren, die auf dem Boden, den Häuserwänden und dem Geländer der Feuerleiter zu finden waren.
Beckett wollte gerade dazu ansetzen, das rostige Gestell zu erklimmen, um auf dem Dach nach weiteren Hinweisen zu suchen, als das satte Geräusch von Motoren ihn in der Bewegung inne halten ließ. Eine Augenbraue in die Höhe ziehend, sah er den schweren Motorrädern entgegen, die über einen Hügel auf den Schauplatz des Verbrechens zuhielten. In die Schaulustigen und Wexlers Männer kam Bewegung. Während die ersteren zusahen, dass sie Land gewannen, bezogen die Leute des Sicherheitschefs Stellung hinter ihren Panzerwagen und richteten ihre schweren Waffen auf die näherkommenden Maschinen und ihre Fahrer.
„Sieh an, wer zu Besuch kommt“, knurrte Wexler unfreundlich und spuckte auf die Straße. Seine Hand lag an der Waffe die er, ganz nach Copmanier, in seinem Schulterhalfter trug. „Alph-Alpha und seine kleinen Strolche.“
Die S-Hill-Riders waren selbst für Jasminer Verhältnisse eine ungewöhnlich brutale Gang die sich ausschließlich aus Typen rekrutierte, die in diesem Stadtteil aufgewachsen waren. Wer es an die Spitze dieser Truppe schaffte, konnte nicht mehr viel menschliches an sich haben und tatsächlich erinnerte Tito ‘der Vorschlaghammer’ Mendez auch nur noch entfernt an einen Angehörigen der Gattung Homo Sapiens. Langes, strähniges Haar, ein Bart der ihm fast bis auf den Bauch reichte und beeindruckende Muskelberge die von oben bis unten mit bizarren Tatoos überzogen waren, das war Tito wie man ihn kannte und fürchtete.
Jetzt hielt die aus fünf Mann bestehende Abordnung der Riders direkt neben dem ersten Panzerwagen. Tito starrte über die Absperrung hinweg und fixierte Beckett für einen Moment lang mit hasserfüllten Blicken. Es war die Art von Blick die der Jäger das erste Mal in der Nacht gesehen hatte in der der Anführer der Gang sich seinen Kampfnamen verdient hatte. Die Nacht in dem er einen Gegner mit einem Vorschlaghammer zu Tode geprügelt hatte. Das war dieselbe Nacht gewesen in der auch Beckett sich seinen Spitznamen verdient hatte. Seine Hand wanderte zu seiner Waffe, die er im Hosenbund trug.
Ohne den Jäger aus den Augen zu lassen, rief Tito jetzt Wexler zu:
„Wirst du größenwahnsinnig auf deine alten Tage, Jackie? Ich kann mich nicht erinnern dir erlaubt zu haben hier mit deinen Pinschern aufzuschlagen.“
„Was daran liegen könnte, dass ich dich gar nicht gefragt habe, Tito“, gab Wexler hinter Beckett ungerührt zurück. „Mach nicht so’ne Welle, Junge. Wir sehen uns nur das alte Mädchen da an und sind auch schon wieder verschwunden. Reg dich ab.“
Titos Augen verengten sich zu Schlitzen.
„Du schleppst mir dieses Stück Scheiße da an“, er spuckte in Becketts Richtung. „Und sagst mir, ich soll mich abregen, du alter Hurensohn?“
Es hatte Zeiten gegeben in denen die Verachtung die in diesen Worten lag wenigstens irgend eine Empfindung in dem Jäger ausgelöst hätte. Immerhin war Tito sein bester Freund gewesen. Schon zu Prä-GAU Zeiten hatten sie die Straßen dieses Viertels unsicher gemacht. Im wahrsten Sinne des Wortes. Nach dem großen Bang hatten sie sich dann gemeinsam durch die verwüsteten Viertel der Stadt gestohlen und gemordet, sich gegenseitig mehr als einmal den Arsch gerettet. Sie waren die große Nachwuchshoffnung der Riders gewesen und sogar in Kontakt geblieben nachdem Beckett sich dafür entschieden hatte, seinem Leben eine andere, lukrativere Wendung zu geben. Vermutlich wären sie immer noch so etwas wie Freunde gewesen, wenn der Jäger im Zuge seiner großen Beseitigungsaktion vor sechs Jahren nicht auch Jerry ‘Fireball’ Lee, den damaligen Chief der Riders, der Titos und sein Ziehvater gewesen war, umgebracht hätte. Das hatte der Vorschlaghammer nicht so gut aufgenommen. Dumm gelaufen.
„Hast du ein Problem mit mir?“, fragte Beckett und trat ein paar Schritte auf die Absperrung zu. In die Jungs auf den Motorrädern kam Bewegung. Jeder von ihnen hätte nur zu gern die Gelegenheit wahrgenommen, den Jäger mit Kugeln vollzupumpen, bis er zu einer Bleistatue erstarrte. Nur Titos scharf gebellter Befehl, die Finger von den Waffen zu lassen, hielt sie davon ab.
„Warum kommst du nicht von Jackies Schoß runter, trittst hinter dieses Absperrband und findest es raus?“, zischte der Chief der Riders anschließend und stieg von seiner Maschine. Auge in Auge standen sich die zwei großen Männer gegenüber. Beckett zog das Angebot durchaus in Betracht.
„Wenn ich das mache, bist du tot, Tito“, informierte er seinen einstigen Jugendfreund leise aber sachlich.
„Darauf lass’ ich es ankommen, Jimmy“, erwiderte der Riders-Chief heiser.
Für einen Moment wurde es totenstill. Dann durchbrach das Klicken eines Waffenmagazins, begleitet von Wexlers Stimme, das Schweigen.
„Ich hätte da einen anderen Vorschlag, Jungs“, sagte er gelassen. „Warum zieht ihr beide nicht eure Hosen runter und lasst mich entscheiden, wer von euch den größeren hat?“ Der Sicherheitschef trat neben den Jäger an das Absperrband. „Hör zu, Tito. Beckett ist hier, um uns zu helfen, den Schlitzer zu finden. Wir sehen uns nur um und dann gehen wir.“
„Ihr könnt gehen“, sagte Tito und starrte noch immer Beckett an. „Aber er bleibt hier.“
„Wird er nicht“, behauptete Wexler. „Glaub mir, Kleiner.“
„Ihr kommt nicht mal drei Blocks weit, Jackie“, erklärte Tito verächtlich. „Egal wie gut deine Jungs bewaffnet sind. Meine werden besser bewaffnet sein.“
„Es ist uninteressant, wie gut wir bewaffnet sind“, entgegegnete Wexler gleichmütig. „Interessant ist nur, wie gut meine Leute bewaffnet sind, die das alte Warenhaus Ecke achtunddreißigste – Miller umstellt haben.“
Diese Worte brachten den Anführer der Riders das erste Mal dazu den älteren Mann direkt anzusehen.
„Das wagst nicht mal du, Jackie!“, knurrte er wütend.
Titos Zorn war berechtigt. Das alte Warenhaus war schon seit über zwanzig Jahren das Heim der Familien der Riders. Dort lebten die Lieblingsfrauen der Gangmitglieder mit deren Kindern. Von sich aus wagte niemand, dieses Haus anzugreifen, doch Wexler war dafür bekannt zu drastischen Maßnahmen zu greifen, um die Ruhe in der Stadt zu gewährleisten.
„Willst du Marias Leben darauf setzen?“, fragte der Sicherheitschef. Der Blick in seinen blutunterlaufenen Augen war kalt und todernst. Erst wenn man Wexler in solchen Situationen sah, begriff man, warum die Wahl des Syndikats auf ihn gefallen war. „Oder das Leben deiner Zwillinge?“ Er hob die Waffe in seiner Hand und fuhr ruhig fort: „Das hier ist eine Signalpistole. Wenn ich sie abfeuere, werden meine Leute das Warenhaus stürmen, die Wahl liegt bei dir, Tito.“
Für einen Moment sah der Anführer der Riders so aus als würde er sich auf Wexler stürzen. Die Wut die in seinen Augen brannte war mörderisch und Beckett ahnte, dass der ältere Mann von nun an besser nur noch gut geschützt aus dem Haus ging. Tito vergaß und vergab grundsätzlich nicht. Doch er wusste auch, wann er Prioritäten setzen musste. Er spuckte Wexler vor die Füße und warf dem Jäger einen letzten Blick zu.
„Wir sehen uns, Jimmy“, versprach er finster.
Dann stieg er auf seine Maschine und ließ den Motor an. Keine Minute später waren er und seine Jungs in einer Staubwolke verschwunden.
Es gab ein paar Dinge, die Beckett nicht ausstehen konnte. Leute die vor ihm davon liefen und ihn damit dazu zwangen, sie durch enge, stinkende Gassen zu verfolgen, gehörten dazu. Während er über Müllberge sprang, beinahe auf Rattenkadavern ausrutschte und immer wieder zwielichtige Typen aus dem Weg stoßen musste, die hier Gott weiß was trieben, fragte er sich, warum sich manche seiner Ziele die Mühe überhaupt machten. Schließlich hatten sie praktisch nie Erfolg damit.
Nicht, dass der Jäger ein begnadeter Läufer gewesen wäre, trotzdem fing er die Fliehenden fast immer. Der Grund hieß Angst. Selbst wenn sie einen nicht zu verachtenden Vorsprung hatten, gerieten diese Idioten in Panik. Sie sahen immer wieder nach hinten und stolperten dabei über Dinge, die vor ihnen lagen. Oder sie verloren den Kopf, vergaßen, dass sie die Stadt eigentlich kannten und liefen in Sackgassen. Alles was Beckett noch tun musste, war dran bleiben, bis sie sich selbst in die Falle manövrierten.
Aisling bildete da keine Ausnahme. Zehn Minuten nachdem Beckett ihn an einem kleinen Imbisstand aufgescheucht hatte, klebte der dürre Mann mit dem Irokesenschnitt heftig keuchend an einem Drahtzaun, gegen den der Jäger ihn geschleudert hatte.
„Was sollte der Scheiß?“, wollte Beckett schnaufend wissen.
Sich die Rippen mit schmerzverzerrtem Gesicht haltend, drehte der Straßenräuber sich um und stöhnte:
„Mann, du hast Sonny umgelegt. Glaubst du, ich warte bis du mich auch abstichst?“
Was wohl bedeuten sollte, dass der Kerl, den Beckett am Bein erwischt hatte, drauf gegangen war. Etwas, das schon mal passieren konnte, wenn man jemanden in einer Gasse überfiel, der bewaffnet war und eine ungefähre Ahnung davon hatte, wo sich die Oberschenkelaterie befand.
„Red nicht so ‘nen Scheiß, du kleiner Wichser“, knurrte der Jäger immer noch ungehalten. „Wenn ich dich hätte umlegen wollen, hätte ich das in der Gasse getan.“
Aisling richtete sich halbwegs gerade auf.
„Was willst du dann von mir?“
„Den Gefallen, den du mir dafür schuldest, dass ich dich habe laufen lassen.“
Der dürre junge Mann, der ein wenig Ähnlichkeit mit einem halb verhungerten Schakal hatte, gab einen verächtlichen Laut von sich, wagte aber keinen offenen Widerspruch.
„Na schön. Was soll ich tun?“
Beckett nickte. Endlich konnten sie auf den Punkt kommen.
„Du wirst für mich in ein paar Vierteln herumlaufen und rausfinden, wer zu einer bestimmten Zeit in den Schulen und Bibliotheken da gearbeit hat, klar?“
Entgeistert starrte der Straßenräuber ihn an.
„Bist du bescheuert oder was?“, entfuhr es ihm. Man konnte sicherlich einiges über seine Intelligenz sagen, aber er war nicht so blöde, ein potentielles Himmelfahrtskommando nicht zu erkennen, wenn man ihn auf eines schicken wollte. „Du verlangst von mir, dass ich unter den Augen der Chiefs herummarschiere <strong>und</strong> St. Helenas Leute belästige? Weißt du was? Fick dich!“
Er hielt Beckett seinen aufgerichteten Mittelfinger unter die Nase. Der Jäger zögerte nicht lange, sondern griff blitzschnell danach und bog ihn mit einem kräftigen Ruck nach hinten. Es knackte und Aisling sank, vor Schmerz schreiend in die Knie.
„Ich nehme das mal als ein Ja“, kommentierte Beckett mitleidlos und zog seinen Mantel gerade. „So und jetzt lass uns über die Details reden.“
Die nächsten zwei Tage verbrachte Beckett hauptsächlich damit, sich um andere Aufträge zu kümmern und auf Nachricht von Aisling zu warten, der sich letztlich doch noch zur Kooperation bereit erklärt hatte. Er wusste, dass die Chance von dem Mann zu hören relativ gering war, denn selbst wenn er die Chiefs überlebte, war Aisling nicht gerade der Zuverlässigste. Dem Jäger blieb nur zu hoffen, dass er deutlich genug gemacht hatte, was den Straßenräuber erwartete, falls er ihn hängen ließ. Wenn das nicht zog, musste er ihn umbringen und auf seine anderen Kontakte zurück greifen, etwas das er nur ungern getan hätte. Mit Gefälligkeiten war es in Jasmin wie mit Munition. Man brauchte sie zu schnell auf.
Dem entsprechend zufrieden war er, als er nach einem recht anstrengenden Tag nach Hause kam und den Irokesen im Schatten der Treppe lungernd vorfand. Er sah noch etwas hohlwangiger aus als sonst, wirkte an sich aber erstaunlich gesund, wenn man sich vor Augen hielt, wo er sich in den letzten Tagen herum getrieben hatte.
Mit einem leicht paranoiden Blick sah der magere Mann sich um und drückte sich noch etwas tiefer in den Schatten als Beckett auf ihn zu kam. In seiner Hand hielt er zwei eng beschriebene Blätter Papier.
„Dass das klar ist“, zischte er zur Begrüßung. „Was auch immer du damit willst, du hast es nicht von mir, verstanden?“
Beckett zog eine Zigarette aus seiner Manteltasche und klemmte sie sich zwischen die Lippen.
„Keine Sorge“, erwiderte er mit stoischer Ruhe. „Ich werde deinen mageren Hintern schon nicht hoch gehen lassen.“
Aisling stieß einen kleinen Schnaufer aus und drückte dem Jäger die Blätter in die Hand.
„Damit sind wir quitt klar?“
Beckett grinste schmal. Wie putzig, Aisling hatte offenbar nicht die geringste Ahnung, dass man nur auf eine Art aus einer Informatenbeziehung mit ihm heraus kam und zwar waagerecht mit den Füßen voran. Allein die Tatsache, dass er so unbeschadet aus den Vierteln zurück gekommen war, machte den Straßenräuber für Beckett interessant.
„Wir werden sehen“, erwiderte er und quittierte den wüsten Fluch seines Gegenübers mit einem weiteren knappen Grinsen. Ohne auf weitere Einsprüche des Irokesen zu achten, ging er an ihm vorbei die Treppe zu seiner Wohnung hoch. Erst als er an seinem Küchentisch saß und die Listen studierte, verging ihm das Lächeln. Als er sah, dass sich ein bestimmter Name als einziger ständig wiederholte, wurde ihm bewusst, dass seine Probleme sich gerade quasi potenziert hatten.
6.
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Geduld war etwas das Beckett sich über die Jahre hatte antrainieren müssen. Doch es hatte sich ausgezahlt, denn hin und wieder kam es vor, dass er eine Zielperson observieren musste, bevor er sie umbrachte, festnahm oder ihr diverse Körperteile beschädigte. Und da selbst psychopathische Massenmörder einen oftmals langweiligen Tagesjob hatte, war die Tugend der Geduld die halbe Miete für einen Jäger.
Schwierig gestaltete sich die Sache ob der Orte an die Beckett den Schlitzer verfolgen musste. Es war nicht gerade einfach, sich unbeachtet in den Vierteln herum zu treiben, selbst wenn man nur reglos auf einem Dach hockte und das Gebäude auf der anderen Straßenseite beobachtete. Weitaus problematischer war es, dem Killer während dessen nächtlichen Streifzügen zu folgen. Beckett musste immer auf der Hut sein, dass ihn niemand erkannte, gleichzeitig aber auch darauf achten, dass ihm seine Beute nicht durch die Finger glitt. Was sich bei einem Raubtier das offensichtlich auf der Pirsch war, nicht einfach gestaltete.
Die zwei Gesichter des Schlitzers hätten sich nicht stärker voneinander unterscheiden können. Während er sich am Tage mit geradezu engelhafter Geduld um die Kinder kümmerte, setzte er ihren Eltern oder älteren Geschwistern des Nachts mit hassverzerrtem Gesicht nach. Trotzdem schien der Drang nicht so stark, dass er den für Beckett letzten Beweis seiner wahren Natur lieferte. Immer wenn der Jäger glaubte, dass sein Ziel sich für ein neues Opfer entschieden hatte, machte es einen Rückzieher und verkroch sich wieder in seinem Bau.
Unter anderen Umständen hätte Beckett sich nicht die Mühe gemacht und den Kerl einfach umgebracht, um seine Leiche anschließend im Fluß zu versenken, aber die Situation war schwierig und der Jäger wollte, wenn er sich eines Tages rechtfertigen musste, seine Tat mit absoluter Gewissheit vertreten können.
Dass er nicht mehr lange warten musste, wurde ihm am dritten Tag der Überwachung bewusst. Inzwischen kannte er Mimik und Gestik seines Zieles. Wusste, wie strikt der Killer seine zwei Welten getrennt hielt. Doch an diesem Tag fiel es ihm deutlich schwierig. Er lief sehr viel mehr hin und her, wirkte fahrig und unkonzentriert. Seine Maske drohte zu schwinden, sobald er sich unbeobachtet glaubte. Immer mehr gewann der Killer die Oberhand.
Sobald der letzte Grauschimmer des Tages dem tintigen Schwarz der Nacht gewichen war, begab sich das Raubtier auf die Jagd. Beckett folgte ihm durch den einsetzenden Regen die Straßen des Viertels hinab. Er konnte die Ungeduld, das Fieber des Mannes der vor ihm lief praktisch spüren. Was auch immer sich verändert hatte, heute Nacht würde der Schlitzer wieder zuschlagen. Und wie es aussah hatte er sich auch schon für ein Opfer entschieden, denn er verfolgte bereits zielgerichtet einen jungen Mann, der verdächtig nach Crackdealer aussah.
Beckett hielt den Kopf gesenkt. Regenwasser lief ihm den Nacken hinab und hinterließ eine unangenehme Kälte unter seinem Hemd. Der Jäger hatte gelernt solche Unannehmlichkeiten zu ignorieren, wenn er ein Ziel verfolgte. Konzentriert achtete er auf jede Bewegung des Killers, der nun immer schneller voran schritt. Wie es aussah, würde es jeden Augenblick losgehen. Verborgen hinter anderen Passanten, die sich allesamt bemühten, möglichst bald aus dem alles andere als gesunden Regen zu entkommen, beobachtete Beckett, wie das auserwählte Opfer des Schlitzers stehen blieb und mit einem jungen Mädchen sprach, dessen zitternde Hände und großen glasigen Augen, Bände sprachen.
Etwas wechselte unter der Hand den Besitzer. Beckett brauchte kein Hellseher zu sein, um zu wissen, dass es Drogen waren.
Nicht nur der Jäger beobachtete diese Szene. Das Gesicht zu einer grotesken Maske verzerrt, sah auch der Killer, wie das Mädchen hektisch ein paar Geldscheine aus seinem viel zu tiefen Dekolleté fischte und sie dem Dealer in die Hand drückte, bevor es mit hastigen Schritten die Straße überquerte, zweifellos um sich einen ruhigen Ort für den nächsten Fix zu suchen.
Der Killer nutzte seine Chance, er schlich aus dem Schatten auf den Dealer zu und begann diesen in ein Gespräch zu verwickeln. Man wurde sich schnell einig und so konnte der Schlitzer sein Opfer problemlos in eine dunkle Seitengasse locken. Es war soweit. Die Leute beiseite schiebend, die ihm nun den Blick versperrten, lief Beckett ebenfalls auf die Seitengasse zu. Ohne zu zögern tauchte er in die Schwärze ein, die ihn dort erwartete.
Zu seinem Erstaunen musste er nicht weit laufen, bis er beinahe über die Leiche des Dealers stolperte. Ausgestreckt lag der junge Mann wie eine weggeworfene Lumpenpuppe auf dem Boden der Gasse. Vom Killer allerdings fehlte jede Spur. Fluchend beugte sich Beckett über den toten Körper und betrachtete ihn im Licht seines Feuerzeugs. Wie er erwartet hatte, war der Schlitzer nicht dazu gekommen, sein Werk zu vollenden. Das Mal auf der Stirn fehlte, dafür waren die Augen noch da, wo sie hin gehörten. Trübe und blicklos starrten sie in den Himmel, während sich die Flamme des Feuerzeugs in ihnen spiegelte.
Beckett wollte sich gerade wieder aufrichten, als er durch das Prasseln des Regens das leise Klicken des Sicherungshebels einer Waffe hörte. Wie zu Stein erstarrt verharrte er in seiner Position.
„Guten Abend, Mr. Beckett“, hörte er hinter sich eine vage vertraute Stimme sagen.
„Guten Abend, Aaron“, erwiderte er ruhig.
*
Verdammt, der miese kleine Scheißer hatte ihn kalt erwischt. Beckett neigte normalerweise nicht dazu, seine Gegner zu unterschätzen aber Aaron Goodwyn, Helenas lieber kleiner Junge, hatte ihn tatsächlich dazu verleitet. Ihn in Sicherheit gewiegt und dann zugeschlagen. Clever. Wirklich. Wenn der Knabe seine destruktiven Tendenzen in andere Bahnen gelenkt hätte, wäre vermutlich ein ganz passabler Jäger aus ihm geworden.
„So, Aaron“, begann Beckett zu plaudern, während er, die Hände seitlich vom Körper abgespreizt, vor dem bewaffneten Jungen durch den Regen lief. „Seit wann weißt du, dass ich dich verfolge?“
„Seit gestern“, erwiderte Aaron kurz angebunden. „Und jetzt seien Sie still, ich will nicht mit Ihnen reden.“
Oha, ein Sensibelchen. Er wollte keinen Kontakt zu den Leuten die er tötete. Verdarb ihm vermutlich die Freude an der Sache.
„Aber ich will mit dir reden“, erklärte Beckett und zuckte kaum merklich mit den Schultern. „Ich denke, zumindest das habe ich verdient, in Anbetracht der Tatsache, dass du mich gleich töten wirst. Oder?“
„Tun Sie das denn?“, fragte Helenas Sohn knapp. „Mit den Leuten reden, die sie ermorden?“
„Ab und an“, gab der Jäger zurück. „Kommt auf meine Laune an.“
„Sie sind ein Arschloch.“
Beckett grinste, obwohl der Junge es nicht sehen konnte.
„Weißt du, Kleiner, wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.“
Aaron gab ein schwer zu definierendes Geräusch von sich.
„Hören Sie auf, sich mit mir zu vergleichen. Sie haben nicht die geringste Ahnung von dem was ich tue. Da, öffnen Sie diese Tür!“
Die rostige Tür eines alten Lagerschuppens aufschiebend, der vermutlich nur noch durch Magie zusammen gehalten wurde, gab Beckett zurück:
„Ach weißt du, du solltest aufhören, dir da was einzureden, Aaron. Du bist jemand, der gerne tötet. Ende der Geschichte.“
Er ging ein paar Schritte in das Lagerhaus, dessen Dach bereits vom Rost weggefressen worden war. Trotzdem lag es weit genug von der Hauptstrasse entfernt als das sie jemand hier drin gestört hätte.
„Sie wissen einen Scheiß!“, zischte Aaron hinter ihm. „Ich töte für einen höheren Zweck, Sie sind nur ein geldgeiles Stück Dreck, um keinen Deut besser, als der Abschaum, den Sie jagen! Ein Judas, bereit für dreißig Silberlinge den Heiland persönlich zu verkaufen.“
Beckett, der den Heiland auch schon für fünf verkauft und seine Großmutter noch mit drauf gelegt hätte, schnalzte missbilligend mit der Zunge.
„Aaron, Aaron, was würde deine Mutter nur dazu sagen, wenn sie dich jetzt hören könnte.“
„Halten Sie meine Mutter da raus!“, fauchte der Junge hörbar wütend.
„Warum sollte ich? Weiß sie eigentlich, was du in deiner Freizeit so treibst?“
„Sie weiß von gar nichts. Und jetzt bleiben Sie stehen und drehen Sie sich um!“
Langsam kam der Jäger dem Befehl des Killers nach. Er wandte sich um und sah im Zwielicht die Umrisse des Jungen. Ein eher schmales Bürschchen das unter anderen Umständen vermutlich kein Problem für ihn dargestellt hätte.
„Warum weiß sie denn von nichts, wenn der Zweck für den du Leute tötest, die dir nichts getan haben doch so nobel ist?“, wollte er wissen und überlegte wie hoch seine Chancen standen an die Waffe in seinem Hosenbund zu kommen.
Aaron klang fast ein wenig verzweifelt, als er antwortete:
„Weil Sie es nicht verstehen würde. Mutter ist … Mutter ist durchdrungen vom Glauben an das Gute in allen Menschen. Sie denkt, dass selbst der schlimmste Abschaum gerettet werden kann.“
An dieser Stelle begann Beckett sich ernstlich zu fragen, von wem der Junge seine Informationen bezüglich seiner Mutter bekam. Doch er hütete sich, Aaron zu unterbrechen, als dieser fort fuhr:
„Sie kann oder will nicht sehen, wie all diese … diese Kreaturen ihre Bemühungen hintertreiben. Wie sie alles zerstören, was sie versucht für sie aufzubauen. Es gibt Kinder in diesen Schulen. Kluge, hellwache, liebenswerte Kinder. Kinder, die der Grundstein für eine neue, bessere Welt sein könnten. Aber sobald sie aus unserer Tür treten sind sie umringt von diesem Dreck auf zwei Beinen. Monster, die ihnen ihre widerlichen Drogen andrehen, sie zwingen anzuschaffen oder zu stehlen und zu morden. Und bald schon ist von diesen Kindern nichts mehr übrig. Sie sind genau wie die, die ihnen das angetan haben. Ihre Seelen sind tot!“
Aaron hatte sich in Rage geredet.
„Aber Mutter erkennt das nicht. Sie glaubt immer noch, dass sie sie alle retten kann, dass sie keinen opfern muss. Doch so läuft das nicht. Man muss wählen, sich entscheiden. Mutter kann für ihren Traum nicht kämpfen, aber es ist ein großartiger Traum, ein richtiger und deshalb werde ich für ihn kämpfen. Ich werde für Mutter kämpfen!“
Wenn die Situation nicht so prekär für ihn gewesen wäre, hätte Beckett sich tatsächlich ein kurzes Lachen erlaubt. Von wem sprach der wirre Junge da eigentlich? Er konnte wohl kaum dieselbe Frau meinen, die der Jäger unter dem Namen Helena kannte.
„Weißt du, Aaron“, sagte er schließlich nüchtern. „Ich glaube du und deine Mutter, ihr habt da ein kleines Kommunikationsproblem.“
„Schnauze!“, bellte der Junge und drückte den Arm mit dem er die Waffe hielt entschlossen durch. „Ich habe Ihnen doch gesagt, dass ich nicht mit Ihnen reden will, Beckett. Sie sind Dreck und genau dahin werde ich sie jetzt auch wieder schicken. Asche zu Asche, Staub zu Staub und Dreck zu Dreck.“
Ein Schuss hallte blechern durch das Lagerhaus. Der Jäger hatte sich bereit gemacht, zur Seite zur hechten. Mit Sicherheit hätte die Kugel ihn trotzdem erwischt, wenn es denn Aaron gewesen wäre, der abgedrückt hätte. Doch statt ihm war es nun der Junge, der vor Schmerz schreiend zu Boden fiel. Jemand, der in der Dunkelheit verborgen war hatte ihn angeschossen. Mit leichter Verblüffung sah Beckett wie sich der Umriss einer Frau aus der Finsternis schälte.
„M-Mum?“, flüsterte Aaron, der vor Überraschung aufgehört hatte zu schreien und sich nun die stark blutende rechte Schulter hielt. „M-mum, ich … ich.“
„Schhhh“, machte Helena lächelnd und sank vor ihrem Sohn auf die Knie. „Ich weiß, Liebling.“
Beckett beobachtete wie die Bibliothekarin den Kopf ihres Sohnes in den Schoss nahm und kam sich ein wenig fehl am Platze vor. Das Ganze hatte etwas unangenehm familiäres. Es war etwas dessen Zeuge nur zum intimen Kreis Gehörende hätten werden sollen. Helena strich ihrem Sohn das nasse Haar aus dem Gesicht und für einen Moment hätte der Jäger schwören können, dass er im Zwielicht eine Träne auf ihrem Gesicht glitzern sah. Aber vermutlich war es nur der Regen, der durch das offene Dach ins Innere des Lagerhauses fiel.
„Es tut mir Leid, Mr. Beckett“, sagte die Frau mit ihrer üblichen freundlich-warmen Stimme, die in dieser Situation seltsam unpassend wirkte. „Wir wollten Ihnen keine Unannehmlichkeiten bereiten.“
Der Jäger musterte sie nachdenklich.
„Woher wussten Sie, wo wir sind?“, wollte er wissen.
Helenas Lächeln war uncharakteristisch schwach.
„Ihre Fragen in der Bibliothek, bezüglich des Buches und unserer Zweigniederlassungen. Dann die Tatsache, dass jemand ganz offensichtlich Erkundigungen über unsere Mitarbeiter einzog. Ich bin nicht dumm, Mr. Beckett. Ich kann eins und eins zusammen zählen, auch wenn mir das Ergebnis vielleicht nicht immer gefallen mag. Mir war bewusst, dass sie sich an die Fersen meines Sohnes heften würden, also bin ich Ihnen gefolgt.“
Ohne, dass er etwas davon gemerkt hatte. Musste wohl in der Familie liegen.
Beckett nickte.
„Und nun?“, fragte er.
Die Bibliothekarin starrte einen Moment lang ausdruckslos vor sich hin, bevor sie mit leiser Stimme erwiderte:
„Nun werden Sie uns alleine lassen, Mr. Beckett.“
Es war keine Bitte, aber das hatte Beckett auch gar nicht erwartet. Helena bat in der Regel nicht und selbst wenn sie in diesem Moment keine Waffe in der Hand gehalten hätte, wäre er ihrer Aufforderung trotzdem nachgekommen. Auf einen Abschiedsgruß verzichtend, ging der große Mann an Mutter und Sohn vorbei. Bevor er die Halle verließ hörte er Aaron wispern:
„Können wir jetzt nach Hause gehen, Mum?“
Er klang wie der kleine, vielversprechende Junge der er einmal gewesen sein musste und Beckett hatte fast so etwas wie Mitleid, als er Helenas Erwiderung hörte.
„Natürlich, Liebling. Ich werde dich nach Hause bringen.“
Die Tür hinter sich schließend trat der Jäger ins Freie und sah zum Himmel auf. Der Regen ließ bereits etwas nach und ermöglichte es ihm, sich eine Zigarette anzuzünden. Er war erst ein paar Schritte gegangen als er den Schuss hörte, der hinter ihm peitschend die trügerische Stille der Nacht zeriss. Ohne eine Mine zu verziehen schlug Beckett den Kragen seines Mantels hoch, stieß den Rauch aus und ging durch den Regen davon. Der Nightside-Schlitzer war tot. Zeit Wexler zu besuchen und sich die Belohnung zu holen.
Fin

Hi Timur,
schön, daß Becketts Abenteuer jetzt eine eigene Seite haben. Hoffentlich finden sie so noch ganz viele weitere Leser, sie haben es verdient, denn sie sind erzählerisch und vor allem atmosphärisch ganz große Klasse!
Warum hast du übrigends Dein copyright an den Geschichten beschränkt (2007-2009)? In Deutschland verfällt das Urheberrecht (was etwa dem copyright entspricht) nicht, man kann es noch nicht einmal einer anderen Person übertragen.
Schöne Grüße von Bettina